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Das arabische Rössl

Das arabische Rössl

1998, als das Theater Willy Praml im beschaulichen Bad Vilbel das „Weiße Rössl“ inszenierte, schien die Welt noch in seinen Fugen. St. Wolfgang war noch des ewigen Kanzlers Sehnsuchtsort, Religionskriege gehörten ins Mittelalter, die Twin-Towers ragten in den New Yorker Himmel und die Deutschen waren allerhöchstens mit sich selbst beschäftigt.

20 Jahre später greift das Ensemble nach dem Singspiel wie Schiffsbrüchige nach dem Strohhalm im Weltensturm. Was Komisches muss her, glühende Unterhaltung, ein toller Rhythmus, der einen weghebt, drüber hebt über die allgemeine Wetterlage. Fahren wir also doch mal wieder an den Wolfgangssee und schauen, wie herrlich hier noch einen Stein auf dem anderen steht. Naja?!

Zumindest die Steine stehen noch aufeinander. Aber das „Weiße Rössl“ ist fest in arabischer Hand. Es wird noch immer gejodelt und geschuhplattelt – aber welche Gäste stecken da in den Lederhosen? Leopold ist zwar noch immer der patente österreichische Oberkellner, aber die angebetete Wirtin stammt aus Dubai (oder tut wenigstens, ihren Gästen entgegenkommend, so).

Die Speisekarte klingt zwar österreichisch, aber der Schweinebraten ist aus! Die Stammgäste sind auch keine Piefkes mehr, sondern lodenfanatische Orientalen und das süße Klärchen heißt jetzt Jamila und ist im Burkini aber ebenso süß wie ehemals im Bikini. Und statt des österreichischen Kaisers kündigt sich die deutsche Kanzlerin zum Schützenfest an und weissagt:

S’ ist einmal im Leben so
Allen geht es ebenso,
Was man möcht` so gern
Liegt so fern.

Das arabische Rössl ist eine Fortsetzung der Arbeit des Theaters Willy Praml mit Geflüchteten und Beheimateten, die 2016 mit Kleists Erdbeben in Chili begonnen hat, mit Lessings Nathan fortgesetzt wurde und nun in ein musikalisches Genre überführt werden soll.

Regie | Willy Praml
Bühne | Michael Weber
Kostüme | Paula Kern
Musikalische Leitung | Martin Lejeune

Mit | Ramo Ali, Jakob Gail, Muawia Harb, Birgit Heuser, Güldeste Mamac, Judith Speckmaier, Michael Weber

Musiker | Muhammed Ali, Martin Lejeune, Stephan Weiler

Chor | Fadi Alhamwi, Baha Al-Shaar, Kasem Alwadi, Fadi Bardaqji, Shawkat Dabyan, Elena Harnoune, Mohammad Ismail, Ibrahim Mahmoud, Ead Mbarak

Veranstaltungstermin:
27.01.2019, 18:00 Uhr

Veranstaltungsort:
Theater Willy Praml | Naxoshalle
Waldschmidtstraße 19
60316 Frankfurt am Main

TEL: 069 - 43 05 47 33
WEB: www.theater-willypraml.de

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